Die Wurzeln entscheiden über die Zukunft einer Pflanze
Wenn wir Pflanzen kaufen, schauen wir meistens auf das, was wir sehen können.
Wie hoch ist die Pflanze?
Wie dicht ist sie?
Wie viel Laub hat sie?
Wie alt ist sie?
Wie schnell wird sie wachsen?
Dabei befindet sich einer der wichtigsten Teile der Pflanze genau dort, wo wir ihn nicht sehen:
unter der Erde.
Das Wurzelsystem verbindet die Pflanze mit dem Boden. Über die Wurzeln nimmt sie Wasser und mineralische Nährstoffe auf, verankert sich im Boden und reagiert auf wechselnde Bodenbedingungen.
Ob Hitze, Trockenheit, Starkregen oder Wind – immer wieder kommen wir zum selben Punkt:
Wie sich eine Pflanze oberhalb der Erde entwickelt, hängt wesentlich davon ab, was unterhalb der Erde passiert.
Deshalb gilt für den klimarobusten Garten ein einfacher Grundsatz:
Erst wachsen die Wurzeln. Dann wächst die Hecke.
Wurzeln halten eine Pflanze nicht nur fest
Das Wurzelsystem erfüllt viele Aufgaben.
Es verankert die Pflanze im Boden, nimmt Wasser und mineralische Nährstoffe auf, kann Reservestoffe speichern und verbindet die Pflanze mit dem lebendigen System des Bodens.
Dabei reagiert es ständig auf seine Umgebung.
Ein Wurzelsystem ist also kein fertiges, unveränderliches Gebilde.
Es ist ein lebendes System, das sich ständig weiterentwickelt.
Wurzeln reagieren auf ihre Umgebung
Boden ist nicht überall gleich.
Schon auf wenigen Zentimetern können sich Feuchtigkeit, Sauerstoffversorgung, Verdichtung, Temperatur und Nährstoffangebot unterscheiden.
Das Wurzelwachstum reagiert auf diese Bedingungen.
In günstigen Bodenbereichen können sich Wurzeln intensiver entwickeln. Verdichtete, schlecht belüftete oder dauerhaft wassergesättigte Bodenschichten können ihr Wachstum dagegen einschränken.
Deshalb reicht die Aussage
„Diese Pflanzenart hat ein starkes Wurzelsystem“
allein nicht aus.
Die entscheidende zweite Frage lautet:
Hat die Pflanze an diesem Standort überhaupt die Möglichkeit, dieses Wurzelsystem zu entwickeln?
Genetisches Potenzial und tatsächliche Entwicklung sind nicht dasselbe
Eine Pflanzenart kann genetisch in der Lage sein, ein großes und leistungsfähiges Wurzelsystem aufzubauen.
Wird sie jedoch in einen kleinen Bereich mit verdichtetem oder schlecht strukturiertem Boden gepflanzt, kann sie dieses Potenzial möglicherweise nicht ausschöpfen.
Das gilt auch für die Trockenheitsverträglichkeit.
Eine Pflanze kann grundsätzlich gut mit Trockenheit zurechtkommen. Kann ihr Wurzelsystem jedoch nur ein kleines Bodenvolumen erschließen, steht ihr auch nur ein begrenzter Wasservorrat zur Verfügung.
Deshalb lässt sich ein wichtiger Zusammenhang so zusammenfassen:
Genetisches Potenzial × geeigneter Standort = tatsächliche Leistungsfähigkeit
Beides gehört zusammen.
Ein größerer Wurzelraum erschließt mehr Wasservorräte
Stellen wir uns zwei identische Pflanzen vor.
Die Wurzeln der einen Pflanze erschließen nur einen kleinen Bereich des Bodens.
Die zweite Pflanze kann ihre Wurzeln sowohl seitlich als auch in geeignete tiefere Bodenschichten ausbreiten.
Bleibt der Regen aus, kann die zweite Pflanze auf Wasser aus einem wesentlich größeren Bodenvolumen zugreifen.
Nicht, weil sie Wasser „produziert“.
Sondern weil sie:
einen größeren Wasserspeicher nutzen kann.
Denn einer der wichtigsten Wasserspeicher unseres Gartens ist der Boden.
Und die Wurzeln sind das Zugangssystem zu diesem Wasserspeicher.
Tiefere Wurzeln sind nicht automatisch bessere Wurzeln
Oft hört man:
„Die Pflanze wurzelt tief und ist deshalb trockenheitsverträglich.“
Das kann teilweise richtig sein – ist aber zu einfach.
Wurzelsysteme unterscheiden sich erheblich.
Entscheidend können die Tiefe, die seitliche Ausbreitung, die Menge feiner Wurzeln, die Nutzung unterschiedlicher Bodenschichten und die Anpassungsfähigkeit des gesamten Wurzelsystems sein.
Auch ein breit verzweigtes, dichtes Wurzelsystem kann sehr effektiv sein.
Das Ziel lautet deshalb nicht unbedingt:
möglichst tief wurzeln.
Sondern:
ein Wurzelsystem entwickeln, das zum jeweiligen Standort passt.
Die feinen Wurzeln leisten einen großen Teil der Arbeit
Wenn wir eine Pflanze ausgraben, fallen zuerst die kräftigen Wurzeln auf.
Für die Aufnahme von Wasser und mineralischen Nährstoffen sind jedoch gerade die jüngeren, feineren Wurzeln und ihre aktiven Oberflächen besonders wichtig.
Und diese sind empfindlicher.
Sie können beispielsweise schneller austrocknen.
Bei wurzelnackten Pflanzen ist das besonders relevant.
Kräftige Hauptwurzeln allein bedeuten deshalb noch nicht, dass die Wasseraufnahme problemlos funktioniert.
Nach der Pflanzung muss die Pflanze neue aktive Wurzeloberfläche bilden.
Deshalb ist der richtige Umgang mit wurzelnackten Pflanzen so wichtig
Bei Heckenmarkt bieten wir viele Heckenpflanzen wurzelnackt an.
Beim Roden einer Pflanze verbleibt zwangsläufig ein Teil des Wurzelsystems im Boden der Baumschule. Die verbleibenden Wurzeln verfügen zunächst über eine geringere Wasseraufnahmekapazität.
Das gehört zur normalen Kultur und Verpflanzung wurzelnackter Pflanzen.
Entscheidend ist deshalb, dass die Pflanze:
nicht austrocknet, fachgerecht gepflanzt wird, ausreichend Wasser erhält und anschließend möglichst schnell neue Wurzeln bildet.
Nach der Pflanzung sollten wir deshalb nicht nur darauf achten, wie viele Zentimeter die Pflanze oberhalb der Erde wächst.
Eine mindestens ebenso wichtige Frage lautet:
Beginnt sie, sich erfolgreich am neuen Standort einzuwurzeln?
Austrocknung der Wurzeln gehört zu den größten Risiken
Bei wurzelnackten Pflanzen schützt weder ein Topfsubstrat noch ein Erdballen die Wurzeln.
Deshalb können ungeschützte Wurzeln besonders bei Sonne, Wärme und Wind schnell Feuchtigkeit verlieren.
Bis zur Pflanzung müssen sie daher konsequent vor Austrocknung geschützt werden.
Das Tückische daran:
Die oberirdischen Pflanzenteile können noch völlig gesund aussehen, obwohl unter der Erde bereits ein Problem entstanden ist.
Deshalb gilt:
Eine erfolgreiche Heckenpflanzung beginnt mit dem Schutz der Wurzeln.
Warum werden Heckenpflanzen nach dem Pflanzen zurückgeschnitten?
Aus Sicht des Wurzelsystems wird auch der Pflanzschnitt verständlicher.
Beim Roden geht ein Teil des ursprünglichen Wurzelsystems verloren.
Würde die gesamte oberirdische Pflanzenmasse unverändert bleiben, müsste ein kleineres Wurzelsystem weiterhin eine große Menge an Trieben und Blättern versorgen.
Durch einen fachgerechten Rückschnitt reduzieren wir zunächst die oberirdische Pflanzenmasse und fördern gleichzeitig die Verzweigung.
So kann sich ein günstigeres Verhältnis zwischen Wurzeln und Trieben entwickeln.
Bei Hecken hat der Rückschnitt noch einen weiteren wichtigen Vorteil:
Die Pflanzen beginnen bereits im unteren Bereich stärker zu verzweigen.
Der Rückschnitt bedeutet also nicht, dass wir die gekaufte Pflanze „kleiner machen“.
Er ist Teil des Aufbaus einer dichten Hecke.
Wurzeln und Blätter gehören zu einem System
Wir sprechen häufig von zwei getrennten Pflanzenteilen:
dem oberirdischen Teil und den Wurzeln.
Biologisch handelt es sich jedoch um ein zusammenhängendes System.
Die Wurzeln versorgen die Triebe mit Wasser und mineralischen Nährstoffen.
Die Blätter wiederum erzeugen durch Photosynthese die organischen Stoffe und Energiegrundlagen, die auch für die Entwicklung des Wurzelsystems benötigt werden.
Wird das Wurzelsystem geschädigt, reagiert der oberirdische Teil.
Wird das Laub stark geschädigt, kann sich dies wiederum auf die Wurzelentwicklung auswirken.
Klimarobustheit ist deshalb das Ergebnis des Zusammenspiels der gesamten Pflanze.
Gute Erde enthält Wasser UND Luft
Wurzeln benötigen neben Wasser auch Sauerstoff.
Deshalb haben wir uns im 9. Teil unserer Serie ausführlich mit Staunässe beschäftigt.
Sind die Poren des Bodens über längere Zeit vollständig mit Wasser gefüllt, sinkt die Sauerstoffversorgung im Wurzelraum.
Die Wurzeln können dadurch in ihrer Funktion beeinträchtigt werden.
Obwohl also reichlich Wasser vorhanden ist, kann die Pflanze trotzdem Probleme bekommen.
Ein guter Wurzelraum ist deshalb weder:
ausgetrocknet
noch
dauerhaft wassergesättigt.
Er bietet ein ausgewogenes Verhältnis von:
Wasser + Luft.
Verdichteter Boden ist eine unsichtbare Barriere
An der Oberfläche können wir oft nur schwer erkennen, was tiefer im Boden passiert.
Besonders in Neubaugärten kann der Unterboden durch schwere Baumaschinen stark verdichtet worden sein.
Später wird darauf Mutterboden aufgebracht.
Von oben sieht alles gut aus.
Die Wurzeln treffen jedoch irgendwann auf die verdichtete Schicht und können sich dort möglicherweise nur schwer weiterentwickeln.
Auch der Wasserabfluss kann beeinträchtigt sein.
Dadurch entsteht eine unsichtbare Grenze im Boden.
Bei problematischen Standorten lohnt es sich deshalb, nicht nur die Oberfläche zu betrachten.
Wir müssen den Boden mit den Augen der Wurzeln betrachten.
Ein gutes Pflanzloch allein löst nicht jedes Bodenproblem
„Ich grabe ein großes Loch, fülle gute Erde hinein – fertig.“
Das klingt zunächst logisch.
Doch eine Pflanze soll nicht ihr ganzes Leben in ihrem Pflanzloch verbringen.
Mit der Zeit müssen ihre Wurzeln den umgebenden Boden erschließen.
Treffen sie dort auf starke Verdichtung, schlechte Drainage oder eine ungünstige Bodenstruktur, zeigt sich das Problem möglicherweise erst später.
Bei Hecken ist es deshalb häufig sinnvoller, nicht nur einzelne Pflanzlöcher vorzubereiten.
Besser ist eine:
durchgehend gut vorbereitete Pflanzzone entlang der Hecke.
Eine Hecke besteht langfristig nicht aus 50 einzelnen Pflanzlöchern
Pflanzen wir 50 junge Heckenpflanzen in einer Reihe, sehen wir zunächst tatsächlich 50 einzelne Pflanzen.
Einige Jahre später möchten wir daraus jedoch eine zusammenhängende Hecke entwickeln.
Oberhalb der Erde verbinden sich die Triebe optisch zu einer geschlossenen Pflanzenwand.
Unterhalb der Erde erschließen die Wurzeln zunehmend den verfügbaren Bodenraum.
Deshalb sollten wir auch den Boden einer Hecke als zusammenhängendes System betrachten.
Nicht als:
50 kleine Pflanzlöcher.
Sondern als:
eine lange, funktionierende Wurzelzone.
Wurzeln helfen Pflanzen auch bei Hitze
Wurzeln verbinden wir meist zuerst mit Trockenheit.
Sie spielen jedoch auch bei Hitze eine entscheidende Rolle.
Pflanzen können ihre Blätter durch Verdunstung kühlen. Dafür benötigen sie Wasser.
Kann ein gut entwickeltes Wurzelsystem ausreichend Wasser aufnehmen, kann die Pflanze diesen Prozess besser aufrechterhalten.
Trocknet der Boden dagegen aus und wird die Wasseraufnahme eingeschränkt, muss die Pflanze ihren Wasserverlust reduzieren.
Damit kann auch die kühlende Wirkung der Verdunstung abnehmen.
Hitzetoleranz und Wurzelentwicklung hängen deshalb unmittelbar zusammen.
Auch Windfestigkeit beginnt unter der Erde
Wind erhöht nicht nur den Wasserverlust einer Pflanze.
Er belastet sie auch mechanisch.
Eine gut eingewurzelte Pflanze kann Wasser aus einem größeren Bodenvolumen erschließen und ist gleichzeitig stabiler im Boden verankert.
Gerade an windigen Standorten sollte eine Pflanze deshalb ausreichend Raum und Zeit erhalten, ein leistungsfähiges Wurzelsystem aufzubauen.
Windverträglichkeit hängt also nicht nur davon ab, wie kräftig die Äste sind.
Sie entscheidet sich auch unter der Erde.
Wurzeln brauchen Platz
Das ist besonders in kleinen und städtischen Gärten wichtig.
Oberhalb der Erde scheint möglicherweise ausreichend Platz vorhanden zu sein.
Unter der Erde können jedoch Pflasterflächen, Fundamente, Stützmauern, Wege, verdichtete Bodenschichten, Leitungen oder die Wurzeln anderer Pflanzen den verfügbaren Raum einschränken.
Bei der Standortwahl sollten wir deshalb nicht nur fragen:
„Hat die Hecke hier Platz?“
Sondern auch:
„Hat ihr Wurzelsystem hier genügend Platz?“
Auch unter der Erde gibt es Konkurrenz
Eine Hecke unter einem großen Baum steht nicht nur im Schatten.
Das weitreichende Wurzelsystem des Baumes kann gleichzeitig mit den jungen Heckenpflanzen um Wasser und Nährstoffe konkurrieren.
Dasselbe gilt – in geringerem Umfang – für Rasen und Unkraut.
Deshalb kann auch ein Garten, der auf den ersten Blick ausreichend feucht erscheint, Bereiche mit erheblicher Wurzelkonkurrenz aufweisen.
Oberhalb der Erde sehen wir davon möglicherweise wenig.
Unter der Erde findet jedoch ein echter Wettbewerb statt.
Ein Wurzelsystem entsteht nicht über Nacht
Das gehört zu den wichtigsten Punkten dieses Kapitels.
Wenn wir eine Pflanze setzen, pflanzen wir kein fertig entwickeltes Wurzelsystem in den neuen Garten.
Wir starten einen Prozess.
Die Pflanze braucht Zeit, um neue Wurzeln zu bilden, den umliegenden Boden zu erschließen, auf einen größeren Wasservorrat zugreifen zu können und eine stabile Verbindung mit ihrem Standort aufzubauen.
Deshalb kann die Pflege in der ersten Zeit nach der Pflanzung die Entwicklung über viele Jahre beeinflussen.
Im ersten Jahr zählt nicht nur die Höhe
Natürlich möchten wir sehen, dass unsere neue Hecke wächst.
Das ist verständlich.
Doch ein wichtiger Teil ihrer Entwicklung bleibt zunächst unsichtbar.
Während wir oberhalb der Erde die neuen Zentimeter messen, baut die Pflanze unter der Erde ihr zukünftiges Versorgungsnetz für Wasser und Nährstoffe auf.
Deshalb sollten wir den Erfolg einer jungen Hecke nicht nur daran messen:
„Wie viel ist sie gewachsen?“
Sondern auch:
„Welche Grundlage hat sie für die kommenden Jahre aufgebaut?“
Zu viel Hilfe ist nicht immer hilfreich
Erhält der Boden ständig nur kleine Wassermengen an der Oberfläche, wird dadurch nicht unbedingt die Erschließung eines größeren Wurzelraums gefördert.
Das bedeutet allerdings keinesfalls, dass man eine junge Pflanze absichtlich austrocknen lassen sollte, damit ihre Wurzeln „stärker werden“.
Das wäre riskant.
Das Ziel ist nicht, künstlich Stress zu erzeugen.
Sondern:
Die Pflanze ausreichend mit Wasser zu versorgen und gleichzeitig eine natürliche Entwicklung des Wurzelsystems zu ermöglichen.
Wurzeln und Bodenleben gehören zusammen
Boden ist kein totes Material.
In ihm leben Mikroorganismen, Pilze und zahlreiche andere Organismen.
Die Wurzeln bestimmter Pflanzen können beispielsweise mit Pilzen sogenannte Mykorrhiza-Verbindungen eingehen, von denen beide Seiten profitieren können.
Solche Beziehungen können auch die Wasser- und Nährstoffaufnahme beeinflussen.
Sie hängen jedoch von Pflanzenart, Boden und Umweltbedingungen ab.
Deshalb wäre die einfache Aussage
„Mykorrhiza dazugeben und das Problem ist gelöst“
zu pauschal.
Ein gesunder Wurzelraum entsteht nicht durch einen einzelnen Zusatzstoff.
Ein gesunder Wurzelraum ist ein funktionierendes Bodensystem.
Was bedeuten die Wurzeln für das Heckenmarkt-Klimaprofil?
Das Wurzelsystem steht mit fast allen Bereichen unseres Klimaprofils in Verbindung.
Hitzetoleranz:
Eine ausreichende Wasseraufnahme unterstützt den Wasser- und Wärmehaushalt der Pflanze.
Trockenheitsverträglichkeit:
Ein leistungsfähiges Wurzelsystem kann ein größeres Bodenvolumen und damit größere Wasservorräte erschließen.
Umgang mit Wasserextremen:
Wurzeln müssen sowohl mit Wassermangel als auch mit zeitweise hoher Bodenfeuchtigkeit zurechtkommen.
Winteranpassung:
Der Zustand der Wurzelzone beeinflusst auch im Winter die Wasserversorgung und den Zustand der Pflanze.
Standortanpassung:
Die Pflanze muss ihr Wurzelsystem unter den vorhandenen Bodenbedingungen entwickeln können.
Deshalb können wir sagen:
Die Wurzeln verbinden fast alle Bereiche des Heckenmarkt-Klimaprofils miteinander.
Warum wir trotzdem keine „Wurzel-Sterne“ vergeben sollten
Auf den ersten Blick wäre eine zusätzliche Bewertung denkbar:
Wurzelstärke: ★★★★★
Aber was würde das eigentlich bedeuten?
Tiefe Wurzeln? Viele Wurzeln? Schnelles Wurzelwachstum? Gute Regeneration? Verträglichkeit verdichteter Böden? Gute Funktion bei Trockenheit?
Das sind unterschiedliche Eigenschaften.
Deshalb ist es sinnvoller, die jeweiligen Merkmale des Wurzelsystems dort zu berücksichtigen, wo sie tatsächlich relevant sind, und sie durch verständliche Informationen zum Standort zu ergänzen.
Welche Wurzelinformationen könnten wir bei Heckenmarkt anzeigen?
In unserem zukünftigen Heckenmarkt-Klimaprofil könnte dafür ein eigener Bereich „Wurzelzone“ sinnvoll sein.
Zum Beispiel:
Wurzelsystem: eher flach / mittel / tiefer reichend / breit ausladend
Bodenverdichtung: empfindlich / mäßig tolerant / gut anpassungsfähig
Drainage: gute Drainage erforderlich / mittlere Ansprüche / zeitweise feuchteren Boden tolerierend
Platzbedarf der Wurzeln: gering / mittel / hoch
Wasserbedarf während der Anwachsphase: gering / mittel / erhöht
Solche Angaben helfen bei der Standortwahl wesentlich mehr als eine einzige Sternebewertung.
Beim Pflanzenkauf nicht nur nach oben schauen
Natürlich möchten Kunden große, kräftige und schöne Pflanzen erhalten.
Doch bei zwei gleich hohen Pflanzen ist langfristig nicht automatisch diejenige besser, die oberhalb der Erde größer aussieht.
Wurzelqualität, fachgerechte Lagerung, Frische und richtige Pflanzung sind mindestens ebenso wichtig.
Ein wesentlicher Teil der Qualität einer Pflanze ist beim Auspacken vielleicht noch gar nicht besonders spektakulär.
Einige Monate oder Jahre später wird er jedoch sichtbar.
Ein klimarobuster Garten beginnt nicht bei den Blättern
Er beginnt beim Boden.
Bei den Wurzeln.
Bei einer gut vorbereiteten Pflanzzone.
Beim richtigen Verhältnis von Wasser und Luft.
Und beim erfolgreichen Anwachsen.
Stimmen diese Grundlagen, hat die Pflanze wesentlich bessere Chancen, ihr genetisches Potenzial tatsächlich auszuschöpfen.
Erst dann können wir von ihr erwarten, dass sie kräftig wächst, eine dichte Hecke bildet, trockenere Perioden besser bewältigt, mit Wind zurechtkommt und ihre Aufgabe im Garten langfristig erfüllt.
Erst wachsen die Wurzeln. Dann wächst die Hecke.
Dieser Satz fasst den 13. Teil unserer Serie vielleicht am besten zusammen.
Das sichtbare Wachstum findet oberhalb der Erde statt.
Die Grundlage dafür entsteht jedoch darunter.
Ein gutes Wurzelsystem macht eine Pflanze nicht unverwundbar.
Aber es schafft die Voraussetzung dafür, dass sie ihre natürlichen Fähigkeiten bestmöglich nutzen kann.
Wenn wir also über klimarobuste Pflanzen sprechen, sollten wir nicht nur fragen:
„Was kann diese Pflanzenart aushalten?“
Sondern auch:
„Haben wir ihr einen Wurzelraum geschaffen, in dem sie ihre Fähigkeiten überhaupt entwickeln kann?“
Denn die Zukunft einer Pflanze entscheidet sich häufig bereits zu einem Zeitpunkt, an dem wir oberhalb der Erde noch kaum etwas davon sehen.
🌿 Den Garten der Zukunft pflanzen wir heute!
Im nächsten, 14. Teil:
Mulchen und Bodenabdeckung – wie eine einfache Schutzschicht dabei helfen kann, Wasser im Boden zu halten, Temperaturschwankungen zu reduzieren und die Wurzelzone zu schützen.
