11. Hecken als Windschutz: Pflanzen für windige Gärten

Wind im Garten – der unsichtbare Wasserverbraucher

Wenn wir einen Garten beurteilen, denken wir meistens zuerst an drei Dinge:

Wie viel Sonne bekommt er?
Wie ist der Boden?
Wie viel Wasser steht zur Verfügung?

Doch ein vierter Faktor wird häufig unterschätzt:

der Wind.

Zwei Gärten können nur wenige hundert Meter voneinander entfernt liegen – und trotzdem entwickelt sich dieselbe Pflanze völlig unterschiedlich.

Denn Wind bewegt nicht nur Blätter und Zweige.

Er beeinflusst den Wasserverlust der Pflanze, die Austrocknung des Bodens, die Blatttemperatur und den Wasserhaushalt im Winter. Bei starkem Wind kommt zusätzlich eine mechanische Belastung hinzu.

Deshalb gehört auch der Wind zu einer guten Standortanalyse.

Den Wind sehen wir nicht – seine Wirkung schon

Sonne und Hitze nehmen wir sofort wahr.

Auch trockener Boden fällt schnell auf.

Die Wirkung des Windes erkennen wir dagegen häufig erst an der Pflanze:

Sie welkt schneller, der Boden trocknet früher aus, Blattränder können braun werden, junge Triebe werden stärker belastet und das Wachstum kann schwächer ausfallen.

Dabei hat es vielleicht genauso viel geregnet wie in einem geschützteren Garten.

Der Unterschied liegt in der Exposition des Standortes.

Warum Wind den Wasserbedarf erhöhen kann

Pflanzen nehmen über ihre Wurzeln Wasser auf und geben über ihre Blätter Wasser an die Umgebung ab.

Im Idealfall kann das Wurzelsystem den Wasserverlust ausreichend ausgleichen.

Wind kann dieses Gleichgewicht verändern.

Rund um ein Blatt bildet sich normalerweise eine dünne, feuchtere Luftschicht. Luftbewegung trägt diese ständig ab und ersetzt sie durch andere Luft.

Unter entsprechenden Bedingungen kann dadurch die Verdunstung zunehmen.

Einfach ausgedrückt:

Wind kann dem Garten schneller Wasser entziehen.

Wind ist nicht gleich Wind

Eine leichte Luftbewegung ist kein Problem.

Sie gehört zur natürlichen Umgebung einer Pflanze.

Entscheidend sind vielmehr Stärke und Dauer des Windes sowie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und die verfügbare Bodenfeuchtigkeit.

Besonders belastend wird es, wenn mehrere Faktoren zusammentreffen:

Hitze + Trockenheit + Wind

Dann wirken verschiedene Stressfaktoren gleichzeitig auf die Pflanze.

Die schwierigste Kombination: heiß, trocken und windig

Stellen wir uns einen Julitag vor.

35 °C. Intensive Sonne. Seit Wochen kaum Niederschlag. Der Boden wird zunehmend trocken.

Und dazu weht ständig Wind.

Die Pflanze muss nun gleichzeitig mit hoher Temperatur, zunehmendem Wasserverlust, sinkender Bodenfeuchtigkeit und dauernder Luftbewegung zurechtkommen.

Eine Pflanze, die einen trockenen Sommertag an einem geschützten Standort problemlos bewältigt, kann unter denselben Wetterbedingungen auf einer exponierten Fläche wesentlich stärker belastet sein.

Das zeigt einen wichtigen Grundsatz unserer Serie:

Klimarobustheit ist nicht einfach die Summe einzelner Eigenschaften. Die verschiedenen Umweltfaktoren beeinflussen und verstärken sich gegenseitig.

Wind trocknet auch den Boden aus

Nicht nur die Pflanze verliert bei Wind schneller Wasser.

Auch die Verdunstung an der Bodenoberfläche kann zunehmen – besonders bei unbedecktem Boden, intensiver Sonneneinstrahlung und niedriger Luftfeuchtigkeit.

Ein exponierter Garten kann deshalb schneller austrocknen als ein geschützter Standort.

Hier zeigt sich erneut der Nutzen einer geeigneten Bodenabdeckung.

Mulch kann die direkte Verdunstung an der Bodenoberfläche reduzieren und gleichzeitig die Bedingungen im Wurzelraum verbessern.

Interner Link: Hier würde ich auf euren Artikel „Mulchen gegen Trockenheit und Hitze im Garten“ verweisen.

Wind kühlt – warum kann er trotzdem zum Problem werden?

An einem heißen Sommertag empfinden wir Wind als angenehm.

Auch bei Pflanzen kann Luftbewegung den Wärmeaustausch beeinflussen und unter bestimmten Bedingungen eine starke Erwärmung der Blätter reduzieren.

Doch gleichzeitig kann Wind den Wasserverlust erhöhen.

Solange ausreichend Wasser zur Verfügung steht, muss das kein Problem sein.

Ist der Boden bereits trocken, kann die Pflanze den Wasserverlust jedoch immer schlechter ausgleichen.

Deshalb wäre sowohl

„Wind ist gut, weil er kühlt“

als auch

„Wind ist schlecht, weil er austrocknet“

zu einfach.

Entscheidend ist immer die Kombination aus Wind, Temperatur, Boden und Wasser.

Wind kann auch die Form einer Pflanze verändern

Wind beeinflusst nicht nur den Wasserhaushalt.

Er bedeutet auch mechanische Belastung.

Triebe bewegen sich ständig, Äste werden belastet und Blätter können beschädigt werden. Stärkere Böen können sogar Triebe oder Äste brechen.

Pflanzen, die dauerhaft an exponierten Standorten wachsen, können deshalb eine andere Wuchsform entwickeln als Exemplare an geschützten Standorten.

Manche Arten kommen damit hervorragend zurecht.

Andere weniger.

Für einen stark windigen Standort benötigen wir deshalb nicht nur eine Pflanze, die Trockenheit verträgt.

Sie muss auch mechanisch für diesen Standort geeignet sein.

Bei schnell wachsenden Hecken ist der richtige Schnitt besonders wichtig

Schnelles Wachstum ist bei einer Hecke natürlich ein großer Vorteil.

Lange, junge Triebe können jedoch stärker auf mechanische Belastungen reagieren.

Deshalb ist der regelmäßige Schnitt nicht nur eine Frage der Optik.

Durch das Einkürzen der Triebe fördern wir eine dichtere und stärker verzweigte Struktur.

Und genau hier beginnt eine interessante Entwicklung:

Eine gut aufgebaute Hecke bietet später nicht nur Sichtschutz.

Sie verändert auch das Mikroklima des Gartens.

Das ist übrigens ein Abschnitt, den ich bei Heckenmarkt unbedingt behalten würde – gerade weil er sehr schön zu Wunderhecke® und eurem Schnittplan passt.

Eine Hecke kann zum natürlichen Windschutz werden

Am Anfang kann Wind für eine junge Hecke noch eine Belastung darstellen.

Doch mit zunehmender Größe kann sich die Situation umkehren.

Eine gut entwickelte Hecke kann die Windgeschwindigkeit auf der dahinterliegenden Fläche reduzieren.

Dadurch kann sie unter anderem das Mikroklima beeinflussen, die Austrocknung des Bodens reduzieren und die Windbelastung anderer Pflanzen verringern.

Und natürlich kann ein windgeschützterer Garten auch für uns Menschen angenehmer sein.

Das bedeutet:

Eine Hecke passt sich nicht nur an das Mikroklima an. Sie kann es selbst verändern.

Warum eine völlig geschlossene Wand nicht unbedingt der beste Windschutz ist

Man könnte vermuten:

Je dichter die Barriere, desto besser hält sie den Wind auf.

Doch Luftströmungen funktionieren komplizierter.

Bei einer vollständig geschlossenen Wand kann Luft darüber und seitlich vorbeiströmen und sich dahinter stärker verwirbeln.

Eine teilweise durchlässige Pflanzenstruktur kann den Luftstrom dagegen schrittweise abbremsen.

Genau deshalb kann eine gut aufgebaute Hecke ein sehr wirkungsvoller Windschutz sein.

Sie muss den Wind nicht vollständig stoppen.

Sie soll ihn bremsen.

Die Wirkung einer Windschutzhecke reicht über die Hecke hinaus

Der Einfluss einer Hecke endet nicht unmittelbar hinter den Pflanzen.

Eine verringerte Windgeschwindigkeit kann auch in einem gewissen Abstand zur Hecke noch spürbar sein.

Wie groß dieser Bereich ist, hängt unter anderem von Höhe, Dichte und Struktur der Hecke sowie von Windrichtung und Gelände ab.

Damit wird die Position einer Hecke zu einem echten Gestaltungselement für das Mikroklima.

Bei der Planung können wir deshalb zwei Fragen stellen:

„Wo brauche ich Sichtschutz?“

und zusätzlich:

„Aus welcher Richtung kommt der Wind, der meinen Garten am stärksten belastet?“

Lernen Sie die Windrichtung Ihres Gartens kennen

Ein Garten ist selten aus jeder Richtung gleich stark dem Wind ausgesetzt.

Beobachten Sie deshalb:

Woher kommt bei Ihnen meist der stärkste Wind?

Wo entsteht zwischen Gebäuden Zug?

Wo beschleunigt sich die Luft entlang eines Zauns?

Welche Ecken sind geschützt?

Welche Bereiche sind besonders exponiert?

Dafür benötigen Sie nicht unbedingt Messgeräte.

Auch der Garten selbst liefert Hinweise: Bewegungen der Pflanzen, verwehte Blätter, besonders schnell austrocknende Bereiche oder Schneeansammlungen können viel über die lokalen Windverhältnisse verraten.

Auch Gebäude verändern den Wind

Ein Haus hält den Wind nicht einfach nur auf.

Die Luft strömt um das Gebäude herum und kann sich dabei an Ecken oder in schmalen Durchgängen beschleunigen.

Zwischen zwei Gebäuden können regelrechte Windkanäle entstehen.

Hinter hohen, geschlossenen Barrieren können wiederum Verwirbelungen auftreten.

Deshalb kann es selbst in einem vermeintlich geschützten Stadtgarten ausgesprochen windige Stellen geben.

Wieder gilt:

Nicht das allgemeine Klima der Region entscheidet allein – sondern der konkrete Standort der Pflanze.

Im Winter wirkt Wind anders

Im vorherigen Teil unserer Serie haben wir bereits über Wintertrockenheit gesprochen.

Das ist besonders bei immergrünen und wintergrünen Pflanzen relevant.

Die Blätter können auch im Winter Wasser verlieren. Ist gleichzeitig der Boden kalt oder gefroren, können die Wurzeln nur eingeschränkt neues Wasser aufnehmen.

Kommt dazu starker, trockener Wind, kann der Wasserhaushalt der Pflanze gestört werden.

Dann ist nicht unbedingt die niedrige Temperatur allein das Problem.

Kälte + Wind + eingeschränkte Wasseraufnahme wirken zusammen.

An Straßen kommt ein weiterer Faktor hinzu: Salz

Bei Hecken entlang stark befahrener Straßen kann im Winter zusätzlich Salz eine Rolle spielen.

Verkehr und Wind können salzhaltige Gischt auf Pflanzen tragen. Auch über den Boden kann Salz in den Wurzelbereich gelangen.

Dann reicht es nicht, nur die Windverträglichkeit zu betrachten.

Eine Pflanze kann trockenheitsverträglich, frosthart und windverträglich sein – und trotzdem für einen regelmäßig stark mit Streusalz belasteten Standort ungeeignet sein.

Straßenrand sollte deshalb bei der Pflanzenauswahl als eigene Standortbedingung betrachtet werden.

Wind hat auch positive Seiten

Wir möchten Wind nicht grundsätzlich als Problem darstellen.

Eine angemessene Luftbewegung kann die Durchlüftung von Pflanzen verbessern.

Sie kann dazu beitragen, dass Blätter nach Niederschlägen schneller abtrocknen, was bei bestimmten Pflanzenkrankheiten von Vorteil sein kann.

Bei Hitze kann Luftbewegung außerdem den Wärmeaustausch unterstützen.

Unser Ziel lautet deshalb nicht:

einen vollkommen windstillen Garten zu schaffen.

Sondern:

ein ausgeglichenes Mikroklima zu gestalten.

Was hilft Pflanzen in einem windigen Garten?

An erster Stelle steht wieder die richtige Pflanzenwahl.

Für einen exponierten Standort sollten wir Pflanzen auswählen, die mit diesen Bedingungen zurechtkommen.

Zusätzlich können helfen:

eine gute Wasserführung im Boden, Bodenabdeckung, ausreichende Wasserversorgung während der Anwachsphase, der richtige Schnitt und bei Bedarf ein vorübergehender mechanischer Schutz junger Pflanzen.

Dabei wollen wir den Wind nicht künstlich vollständig beseitigen.

Die Pflanze soll sich an ihren Standort entwickeln und anpassen können.

Eine frisch gepflanzte Hecke ist noch kein Windschutz

Dieser Punkt ist besonders wichtig.

Wenn wir eine junge Hecke pflanzen, bietet sie noch nicht den Schutz, den eine gut entwickelte Hecke einige Jahre später leisten kann.

Im Gegenteil:

Junge Pflanzen verfügen zunächst über ein kleineres Wurzelsystem, können schneller austrocknen und sind mechanisch empfindlicher.

Auf stark exponierten Grundstücken benötigt eine junge Hecke deshalb in der Anwachsphase besondere Aufmerksamkeit.

Später kann sich das Verhältnis umkehren:

Die Hecke, die anfangs selbst Schutz brauchte, schützt schließlich den Garten.

Diesen Satz würde ich unbedingt so stehen lassen – der ist für Heckenmarkt richtig stark.

Wie berücksichtigen wir Wind im Heckenmarkt-Klimaprofil?

Wind soll bei uns nicht einfach zu einer weiteren schwer verständlichen Punktzahl werden.

Denn seine Wirkung ist stark vom jeweiligen Standort abhängig.

Deshalb möchten wir im Heckenmarkt-Klimaprofil eine zusätzliche, leicht verständliche Angabe verwenden:

Wind- und Expositionsverträglichkeit

Geschützter Standort empfohlen

Für mäßig exponierte Standorte geeignet

Auch für windige und exponierte Standorte geeignet

Bei Bedarf können zusätzliche Hinweise ergänzt werden, zum Beispiel:

Empfindlich gegenüber Wintertrockenheit

oder

Jungpflanzen können anfangs Windschutz benötigen.

Das hilft Kunden bei der Pflanzenwahl mehr als eine weitere abstrakte Zahl.

Nicht nur: Verträgt die Pflanze Wind?

Bei Hecken kommt eine zweite Frage hinzu:

Wie gut eignet sich die Pflanze selbst als Windschutz?

Das ist nicht dasselbe.

Eine Pflanze kann sehr windverträglich sein, ohne eine geeignete Windschutzhecke zu bilden.

Eine andere Art kann dagegen eine dichte, ausreichend hohe und gut formbare Pflanzenstruktur entwickeln und dadurch als Windschutz besonders interessant sein.

Deshalb könnte in unserem zukünftigen Pflanzen-Auswahlsystem eine zusätzliche Funktion erscheinen:

🌿 GEEIGNET ALS WINDSCHUTZHECKE

Damit verbinden wir Pflanzenwahl und Gartengestaltung miteinander.

Ein einfacher Windtest für Ihren Garten

Sie brauchen keine Wetterstation.

Beobachten Sie Ihren Garten einige Wochen lang an windigen Tagen.

Fragen Sie sich:

Woher kommt der stärkste Wind?

Wo beschleunigt er sich?

Wo trocknet der Boden besonders schnell aus?

Welche Pflanzen bewegen sich ständig stark?

Wo wäre Windschutz sinnvoll?

Und ebenso wichtig:

Wo möchten wir eine natürliche Luftbewegung erhalten?

Damit entsteht bereits eine einfache Windkarte Ihres Gartens.

Zusammen mit der Mikroklima-Karte kann sie eine wertvolle Hilfe bei der Pflanzen- und Heckenwahl sein.

Wind ist nicht nur ein Problem – sondern eine Gestaltungsmöglichkeit

Das ist die wichtigste Botschaft dieses Kapitels.

Wir können den Wind nicht abschalten.

Aber wir können ihn bei unserer Gartengestaltung berücksichtigen.

Mit geeigneten Pflanzen und einer durchdachten Planung lässt sich das Mikroklima eines exponierten Gartens beeinflussen.

Und gerade Hecken können dabei eine besondere Rolle spielen.

Denn kaum ein anderes Gartenelement kann gleichzeitig:

Sichtschutz,
Raumteiler,
Grünfläche,
Lebensraum
und natürlicher Windschutz sein.

Deshalb sollten wir die Hecke der Zukunft nicht nur danach auswählen,

wie schnell sie wächst, wie hoch sie wird oder wie sie aussieht.

Wir sollten auch fragen:

Was kann diese Hecke für das Mikroklima meines Gartens tun?

Genau hier beginnt für uns die Planung eines klimarobusten Gartens.

🌿 Den Garten der Zukunft pflanzen wir heute!

Im nächsten, 12. Teil:
Müssen klimarobuste Pflanzen gegossen werden? – Warum klimarobust nicht bewässerungsfrei bedeutet und wie wir Wasser im Garten gezielter einsetzen können.