Welchen Boden haben Sie? Warum ein klimarobuster Garten unter der Erde beginnt
Im letzten Teil haben wir uns mit dem Mikroklima im Garten beschäftigt. Wir haben gesehen, wie Sonne, Schatten, Wind, Gebäude, befestigte Flächen und sogar kleine Höhenunterschiede die Bedingungen für unsere Pflanzen verändern können.
Jetzt gehen wir eine Ebene tiefer.
Im wahrsten Sinne des Wortes.
Denn einer der wichtigsten Bereiche unseres Gartens ist gleichzeitig derjenige, den wir kaum sehen:
Der Boden.
Eine Pflanze kann hervorragend mit Hitze und Trockenheit zurechtkommen. Lichtverhältnisse und Wintertemperaturen können ebenfalls passen.
Wenn die Bedingungen im Wurzelraum jedoch ungeeignet sind, wird sich die Pflanze trotzdem nicht optimal entwickeln.
Ein klimarobuster Garten beginnt deshalb nicht bei den Blättern.
Er beginnt bei den Wurzeln.
Ein wichtiger Teil der Pflanze lebt unter der Erde
Beim Pflanzenkauf achten wir naturgemäß zuerst auf das, was wir sehen.
Wie groß ist die Pflanze? Wie dicht ist sie? Wie sieht das Laub aus? Wie schnell wächst sie?
Ein entscheidender Teil ihrer langfristigen Entwicklung befindet sich jedoch unter der Erde.
Das Wurzelsystem verankert die Pflanze und versorgt sie mit Wasser und mineralischen Nährstoffen.
Dafür braucht es aber nicht einfach nur „Erde“.
Ein geeigneter Wurzelraum muss gleichzeitig Wasser, Luft, Nährstoffe und ausreichend Raum für die Wurzelentwicklung bieten.
Fehlt einer dieser Faktoren dauerhaft, kann das Wachstum der Pflanze beeinträchtigt werden.
Ein guter Boden ist nicht einfach ein nährstoffreicher Boden
Bei Pflanzenproblemen hören wir häufig zuerst:
„Dann braucht sie mehr Dünger.“
Doch Nährstoffmangel muss überhaupt nicht die Ursache sein.
Vielleicht ist der Boden stark verdichtet. Vielleicht fehlt den Wurzeln Sauerstoff. Vielleicht kann überschüssiges Wasser nicht abfließen. Vielleicht können sich die Wurzeln kaum ausbreiten.
Oder der Boden trocknet so schnell aus, dass die Pflanze regelmäßig unter Wassermangel leidet.
In solchen Fällen löst zusätzlicher Dünger das eigentliche Problem nicht.
Bei der Beurteilung eines Gartenbodens sollten wir deshalb mindestens drei Bereiche unterscheiden:
Bodenstruktur + Wasserhaushalt + Nährstoffversorgung
Sandboden: Wenn Wasser zu schnell verschwindet
Sandige Böden besitzen relativ große Poren zwischen ihren gröberen Bodenpartikeln.
Das hat Vorteile: Sie sind meist gut durchlüftet und Wasser kann schnell versickern.
Genau das kann jedoch auch zum Nachteil werden.
Wasser kann den Wurzelraum schnell durchlaufen und der Boden entsprechend rasch wieder austrocknen.
Besonders während sommerlicher Hitzeperioden kann eine Pflanze auf Sandboden deshalb früher unter Wassermangel leiden als dieselbe Pflanze auf einem Boden mit höherem Wasserspeichervermögen.
Bei sandigen Gartenböden sind daher unter anderem eine passende Pflanzenwahl, ein sinnvoller Umgang mit organischer Substanz, Bodenabdeckung und bei Bedarf eine geeignete Bewässerung wichtig.
Eine schnelle Drainage ist also nicht grundsätzlich schlecht.
Wir müssen nur Pflanzen auswählen, die mit diesen Bedingungen zurechtkommen.
Lehmboden und schwere Böden: Wenn nicht zu wenig Wasser das Problem ist
Schwere bzw. stärker tonhaltige Böden verhalten sich anders.
Sie können häufig mehr Wasser speichern, gleichzeitig kann sich Wasser darin langsamer bewegen.
Ist der Boden zusätzlich verdichtet oder kann überschüssiges Wasser schlecht abfließen, bleibt der Wurzelbereich nach starken Niederschlägen möglicherweise lange sehr nass.
Dann entsteht eine zunächst überraschende Situation:
Die Pflanze hat reichlich Wasser – und ihre Wurzeln können trotzdem unter Stress geraten.
Denn Wurzeln benötigen auch Sauerstoff.
Sind die Bodenporen über längere Zeit mit Wasser gefüllt, verschlechtert sich die Sauerstoffversorgung des Wurzelraums. Das kann die Wurzeln belasten und bei ungünstigen Bedingungen auch schädigen.
Deshalb gilt nicht:
Je mehr Wasser ein Boden speichern kann, desto besser.
Interner Link: Hier passt perfekt euer späterer Artikel „Pflanzen für Lehmboden – welche Hecken eignen sich für schwere Böden?“
Ein guter Gartenboden braucht Wasser und Luft
Für Gartenbesitzer ist das einer der wichtigsten Zusammenhänge überhaupt.
Problematisch können beide Extreme sein:
ein Boden, der sehr schnell austrocknet
und
ein dauerhaft nasser, schlecht belüfteter Boden.
Ideal ist ein Wurzelraum, in dem genügend Wasser zur Verfügung steht, überschüssiges Wasser jedoch abfließen kann und gleichzeitig ausreichend Luft im Boden verbleibt.
Deshalb lässt sich der Wasserbedarf einer Pflanze nicht einfach mit
„mag viel Wasser“
oder
„mag wenig Wasser“
beschreiben.
Die tatsächlichen Zusammenhänge sind wesentlich komplexer.
Verdichteter Boden: ein oft übersehenes Problem
Nicht alle ungünstigen Bodeneigenschaften sind natürlich entstanden.
Manchmal verursachen wir sie selbst.
Schwere Baumaschinen, Autos oder häufiges Betreten können einen Boden über längere Zeit verdichten.
Dadurch kann der Porenraum abnehmen. Wasser versickert schlechter, die Durchlüftung verschlechtert sich und Wurzeln können nur schwer in tiefere Bodenschichten vordringen.
Besonders bei Neubaugrundstücken lohnt es sich, darauf zu achten.
An der Oberfläche können beispielsweise 20 Zentimeter guter Mutterboden liegen – darunter befindet sich jedoch eine stark verdichtete Schicht.
Eine junge Pflanze entwickelt sich zunächst scheinbar problemlos. Erreichen ihre Wurzeln später die verdichtete Zone, kann das Wachstum plötzlich nachlassen.
Ein großes Pflanzloch löst nicht jedes Bodenproblem
Dieser Punkt ist besonders für die Pflanzung einer Hecke wichtig.
Eine verbreitete Vorstellung lautet:
„Wir graben ein großes Loch, füllen gute Erde hinein – fertig.“
Das kann in bestimmten Situationen helfen. Die Eigenschaften des umgebenden Bodens verschwinden dadurch jedoch nicht.
Die Wurzeln sollen schließlich nicht dauerhaft im ursprünglichen Pflanzloch bleiben. Mit der Zeit müssen sie in den angrenzenden Boden hineinwachsen.
Treffen sie dort auf stark verdichtete oder anderweitig ungeeignete Bodenschichten, wurde das Problem lediglich verschoben.
Bei schweren Böden kann ein ungünstig angelegtes Pflanzloch außerdem dazu führen, dass sich darin Wasser sammelt.
Bei einer Hecke kann es deshalb sinnvoller sein, den gesamten Pflanzstreifen passend vorzubereiten, statt ausschließlich einzelne Pflanzlöcher zu verbessern.
Der Boden als Wasserspeicher
Bei wechselnden Niederschlagsmustern ist nicht nur entscheidend, wie viel Regen fällt.
Mindestens ebenso wichtig ist:
Wie viel davon kann unser Boden für später speichern?
Fließt Starkregen oberflächlich ab oder passiert das Wasser den Wurzelraum sehr schnell, steht ein Teil davon den Pflanzen später nicht mehr zur Verfügung.
Ein gut strukturierter Boden kann dagegen Wasser aufnehmen, speichern und nach und nach für Pflanzen verfügbar halten.
Im klimarobusten Garten können wir den Boden deshalb auch als eine Art natürlichen Wasserspeicher betrachten.
Je besser dieser Speicher funktioniert, desto eher können bestimmte niederschlagsarme Phasen überbrückt werden.
Warum organische Substanz für den Gartenboden wichtig ist
Organische Substanz kann bei geeigneter Anwendung verschiedene Bodeneigenschaften unterstützen.
Sie kann zur Verbesserung der Bodenstruktur, der biologischen Aktivität, des Wasserhaushalts und des Nährstoffkreislaufs beitragen.
Ein sinnvoller Umgang mit organischem Material kann deshalb Teil einer langfristigen Bodenpflege sein.
Dabei gilt jedoch auch:
Mehr ist nicht automatisch besser.
Das Ziel besteht nicht darin, möglichst viel Material in ein Pflanzloch zu geben.
Das Ziel ist ein langfristig funktionierender Wurzelraum.
Boden abdecken: nicht nur gegen Unkraut
Bodenabdeckung wird häufig vor allem mit Unkrautbekämpfung verbunden.
Für einen klimarobusten Garten hat sie aber noch eine weitere Bedeutung.
Eine geeignete Bodenabdeckung kann die direkte Erwärmung der Bodenoberfläche reduzieren und den Wasserverlust durch Verdunstung verringern.
Gerade im Sommer ist deshalb nicht nur die Frage wichtig:
Wie viel Wasser geben wir?
Sondern auch:
Wie viel davon können wir im Boden halten?
Hier würde ich später direkt auf euren eigenen Artikel „Mulchen gegen Trockenheit und Hitze im Garten“ verlinken. Und dort kann dann auch SöviTex ganz natürlich als eine mögliche Lösung vorkommen, ohne dass dieser Grundlagenartikel werblich wirkt.
Auch der pH-Wert des Bodens spielt eine Rolle
Der pH-Wert beeinflusst unter anderem die Verfügbarkeit verschiedener Pflanzennährstoffe.
Manche Pflanzen tolerieren einen relativ großen pH-Bereich, andere reagieren empfindlicher.
Deshalb kann ein Boden bestimmte Nährstoffe enthalten, ohne dass eine Pflanze diese unter den vorhandenen Bedingungen optimal aufnehmen kann.
Auch hier gilt:
Bei sichtbaren Problemen ist die richtige Antwort nicht automatisch:
„Mehr Dünger.“
Zuerst sollte die Ursache geklärt werden.
Wie finde ich heraus, welchen Boden ich habe?
Nicht jeder Gartenbesitzer muss sofort eine Laboranalyse durchführen lassen.
Schon einige einfache Beobachtungen können viel verraten.
Schauen Sie nach einem kräftigen Regen: Wie lange bleibt Wasser an der Oberfläche?
Beobachten Sie im Sommer: Wie schnell trocknet der Boden aus?
Achten Sie beim Graben darauf: Lässt sich der Boden leicht bearbeiten oder ist er stark verdichtet?
Und bei feuchter Erde: Ist sie klebrig und gut formbar oder fällt sie leicht auseinander?
Interessant ist außerdem, wie tief eine gut strukturierte Bodenschicht überhaupt reicht.
Mit diesen Beobachtungen erhält man bereits einen ersten Eindruck.
Bei größeren Pflanzungen oder auffälligen Bodenproblemen kann eine professionelle Bodenuntersuchung zusätzliche Klarheit schaffen.
Ein einfacher Bodentest für zu Hause
Nehmen Sie eine Handvoll leicht feuchte Erde und versuchen Sie, sie zwischen den Händen zusammenzudrücken und anschließend etwas zu rollen.
Fällt sie sehr leicht auseinander und bleibt deutlich körnig, spricht das für einen höheren Sandanteil.
Lässt sie sich dagegen gut formen, fühlt sich klebrig an und kann zu einer längeren Rolle geformt werden, kann ein höherer Tonanteil vorhanden sein.
Ein Boden dazwischen, der eher krümelig und gut zu bearbeiten ist, kann günstigere Struktureigenschaften besitzen.
Natürlich ersetzt dieser einfache Test keine professionelle Bodenanalyse.
Er hilft aber dabei, den Boden überhaupt erst bewusst wahrzunehmen und besser kennenzulernen.
Ein Garten – unterschiedliche Böden
Auch innerhalb desselben Grundstücks muss der Boden nicht überall gleich sein.
Frühere Baumaßnahmen, Aufschüttungen, Geländeveränderungen, Gebäudereste oder ausgetauschter Boden können dazu führen, dass sich die Bodenschichten schon nach wenigen Metern verändern.
Bei langen Hecken lässt sich das manchmal besonders gut beobachten.
Ein Abschnitt einer 50 Meter langen Hecke entwickelt sich hervorragend – einige Meter weiter wachsen dieselben Pflanzen deutlich schwächer.
Dann muss der Unterschied nicht zwangsläufig bei den Pflanzen liegen.
Vielleicht verändert sich unter ihnen der Boden.
Boden und Klima wirken zusammen
Dieser Zusammenhang ist für unsere gesamte Serie wichtig.
Wie stark Hitze eine Pflanze belastet, hängt auch von der Wasserversorgung des Bodens ab.
Wie stark eine Trockenperiode wirkt, hängt auch davon ab, wie gut der Boden Wasser speichern kann.
Welche Folgen Starkregen hat, wird von der Drainage beeinflusst.
Und wie gut eine Pflanze ihre natürliche Trockenheitsverträglichkeit nutzen kann, hängt auch davon ab, wie weit und wie tief ihre Wurzeln den Boden erschließen können.
Deshalb gilt:
Das Klima endet nicht an der Bodenoberfläche.
Für die Pflanze bilden Wetter und Boden gemeinsam ihren tatsächlichen Lebensraum.
Auch der beste Boden macht nicht jede Pflanze zur richtigen Pflanze
Mit einer guten Bodenvorbereitung können wir viel erreichen.
Aber wir können damit nicht jede grundsätzlich ungeeignete Pflanze passend machen.
Eine Pflanzenart, die dauerhaft nasse Böden schlecht verträgt, sollte nicht an einen Standort gesetzt werden, an dem regelmäßig Wasser steht.
Eine Pflanze mit hohem Wasserbedarf wird auf einem heißen und schnell austrocknenden Standort möglicherweise dauerhaft intensive Bewässerung benötigen.
Bodenverbesserung und gute Pflege können unterstützen.
Der Ausgangspunkt bleibt trotzdem:
Die richtige Pflanze für den richtigen Boden.
Diese Bodeninformationen sollen künftig bei unseren Pflanzen stehen
Zusätzlich zum Heckenmarkt-Klimaprofil möchten wir die wichtigsten Bodenanforderungen möglichst einfach darstellen.
Bodenart: Auf welchen Böden entwickelt sich die Pflanze gut?
Drainage: Wie empfindlich reagiert sie auf Staunässe?
Trockener Boden: Wie gut kommt eine etablierte Pflanze damit zurecht?
Boden-pH: Welchen Bereich toleriert sie?
Bodenverdichtung: Wie empfindlich ist das Wurzelsystem gegenüber schlecht belüftetem Boden?
Bodenvorbereitung: Worauf sollte vor der Pflanzung besonders geachtet werden?
Damit sieht der Kunde nicht nur:
„Diese Pflanze gilt als klimarobust.“
Sondern kann die viel wichtigere Frage beantworten:
„Passt diese Pflanze zu meinem Boden?“
Fünf Minuten, die später Jahre sparen können
Bevor Sie eine Hecke oder einen größeren Strauch kaufen, gehen Sie an die Stelle im Garten, an der gepflanzt werden soll.
Graben Sie ein kleines Loch.
Nehmen Sie etwas Erde in die Hand.
Schauen Sie genau hin.
Ist der Boden locker oder verdichtet? Feucht oder trocken? Steinig? Lässt er sich leicht bearbeiten? Bleibt nach starkem Regen Wasser stehen?
Einige Minuten Beobachtung können später möglicherweise jahrelange Probleme vermeiden.
Denn das, was wir von einer Pflanze sehen, ist nur die eine Hälfte der Geschichte.
Die andere spielt sich unter der Erde ab.
Ein klimarobuster Garten beginnt im Wurzelraum
Wenn wir über heißere Sommer, Trockenperioden und wechselnde Niederschläge sprechen, liegt es nahe, nach neuen und besonders widerstandsfähigen Pflanzen zu suchen.
Mindestens genauso wichtig ist jedoch eine andere Frage:
Welche Bedingungen bieten wir ihren Wurzeln?
Die passende Pflanze und ein geeigneter Boden sind keine Alternativen.
Sie gehören zusammen.
Passende Pflanze + geeigneter Standort + richtige Pflanzung = bessere Voraussetzungen für eine langfristig gesunde Entwicklung.
Deshalb sollten wir vor der Frage
„Welche Pflanze kommt mit dem Klima der Zukunft zurecht?“
noch eine zweite stellen:
„In welchem Boden muss sie damit zurechtkommen?“
Denn die Zukunft einer Pflanze entscheidet sich nicht nur über der Erde.
Sondern auch darunter.
🌿 Den Garten der Zukunft pflanzen wir heute!
Im nächsten, 7. Teil:
Hitzetoleranz – warum kommen manche Pflanzen mit heißen Sommern besser zurecht als andere?
